6. Jahrgang

Erfolgserlebnisse zurückerobert

Über die pädagogischen Konzepte der IGS

von Jürgen Ackmann (Bersenbrücker Kreisblatt)

Lei­se klingt Mu­sik aus ei­nen CD-Play­er im Klas­sen­raum der IGS Fürs­te­nau. Sie­ben Jun­gen sit­zen kon­zen­triert vor ih­ren Schreib­hef­ten. Sie ma­chen je­den Tag Fort­schrit­te im Fach Deutsch. Viel­leicht wer­den ei­ni­ge bald wie­der die För­derk­las­se ver­las­sen und ganz in die Stamm­klas­se wech­seln.

Fürs­te­nau. Seit fast ei­nem Jahr gibt es nun die­se För­derk­las­se. Sie ist Teil ei­nes neu­en um­fas­sen­den pä­da­go­gi­schen Kon­zep­tes, das die IGS in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren im Rah­men ih­rer Qua­li­täts­ent­wi­cklung er­ar­bei­tet hat. Es sieht ins­ge­samt vier Klas­sen­pro­fi­le ab dem fünf­ten Jahr­gang vor. Zum ei­nen gibt es das GE-Pro­fil. Es ist für al­le Schü­ler ge­dacht. Er­reich­bar sind Ab­schlüs­se bis hin zum Se­kun­dar­ab­schluss, der zum Be­such der Ober­stu­fe be­rech­tigt. Der Un­ter­richt in den Haupt­fä­chern ist in Kur­sen dif­fe­ren­ziert. Je­de Kurs­zu­wei­sung wird am En­de des Halb­jah­res über­prüft.

Zum an­de­ren gibt es das E-Pro­fil. Es rich­tet sich an Schü­ler mit ei­nem sehr gu­ten oder gu­ten Grund­schul­zeug­nis. Un­ter­rich­tet wird in den Haupt­fä­chern in Kur­sen mit er­höh­ten An­for­de­run­gen, ei­ne zwei­te Fremd­spra­che ist – im Ge­gen­satz zum GE-Pro­fil – ver­pflich­tend. Auch hier gibt es re­gel­mä­ßi­ge Über­prü­fun­gen der Leis­tun­gen.

Wei­ter­hin gibt es ein D-Pro­fil. Es rich­tet sich an Schü­ler, die noch nicht zwei Jah­re in Deutsch­land sind. Leh­rer be­rei­ten sie im Un­ter­richt ge­zielt auf den Spra­chen­er­werb auf drei Ni­veau­stu­fen vor. Die Schü­ler sind zwecks bes­se­rer In­teg­ra­ti­on Re­gel­klas­sen zu­geord­net.

Und dann gibt es das F-Pro­fil für den fünf­ten und sech­sten Jahr­gang. Hier hat die IGS im ver­gan­ge­nen Jahr ei­ne Klas­se ge­bil­det, die zu­nächst mit sechs Schü­lern ge­star­tet ist, die ei­nen „son­der­pä­da­go­gi­schen För­der­be­darf“ hat­ten. Den Un­ter­richt über­nimmt ne­ben IGS-Leh­rern auch die För­der­schul­leh­re­rin Pa­tri­cia Ihr­ke von der Paul-Moor-Schu­le in Fre­ren. Die klei­ne Lerng­rup­pe hat vor al­lem ei­nen Zweck: Sie soll den Schü­lern Raum und Zeit für in­di­vi­du­el­le Lern­pro­zes­se ge­ben – um Wis­sens­rück­stän­de auf­zu­ho­len, um Er­folgs­er­leb­nis­se zu ha­ben und um Selbst­ver­trau­en zu ge­win­nen.

Das gilt auch für Ed­dy, Jan, Timo, Adri­an, Alex, Ibo und Lo­uis. Sie sind die ak­tu­el­len F-Pro­fil-Schü­ler. Die sie­ben Fünft­kläss­ler neh­men in den Fä­chern Ar­beit/Wirt­schaft/Tech­nik, Sport, Mu­sik und Kunst mit den üb­ri­gen Klas­sen­ka­me­ra­den des vier­zü­gi­gen Jahr­gan­ges am re­gu­lä­ren Un­ter­richt teil. Aber in Haupt­fä­chern wie Deutsch, Mat­he oder Eng­lisch bil­den sie ei­ne ge­son­der­te fünf­te Klas­se. Hier geht es für sie zu­nächst ei­nen Schritt zu­rück, da­mit spä­ter nach Mög­lich­keit zwei vor­an­ge­hen kön­nen. An­ders for­mu­liert: Sie ar­bei­ten noch ein­mal den Grund­schul­lern­stoff auf. Bei zwei Schü­lern hat das be­reits gut funk­tio­niert. Sie neh­men in­zwi­schen wie­der in al­len Fä­chern am Un­ter­richt in der Stamm­klas­se teil. Da­für sind drei neue Schü­ler hin­zu­ge­kom­men – macht sie­ben.

Sie sei­en al­le sehr lern­wil­lig, wie Kers­tin Sel­ter be­tont. Einst hat sie an der Grund­schu­le in Schwags­torf un­ter­rich­tet, heu­te ist sie Jahr­gangs­lei­te­rin für den fünf­ten und sech­sten Jahr­gang an der IGS. In der För­derk­las­se un­ter­rich­tet sie die Jun­gen in Eng­lisch und Deutsch. Auf­grund ih­rer schul­for­mü­berg­rei­fen­den Er­fah­run­gen weiß sie, wo sie pä­da­go­gisch an­set­zen muss – und zwar erst ein­mal grund­sätz­lich bei der Ar­beits­wei­se. Jun­gen hät­ten oft we­ni­ger Ge­duld als Mäd­chen, seien un­kon­zen­triert und woll­ten ih­re Auf­ga­ben schnell er­le­di­gen. Des­halb sei zu­nächst ein klar struk­tu­rier­ter Ar­beits­ab­lauf wich­tig, der sich je­den Tag wie­der­ho­le und von Ri­tua­len be­glei­tet sei. „Das gibt den Jun­gen Si­cher­heit und Selbst­ver­trau­en“, freut sich Kers­tin Sel­ter.

Zu den lieb ge­won­ne­nen Ri­tua­len ge­hört eben auch die Mu­sik aus dem CD-Play­er. So­lan­ge die sanft klin­gen­de Ge­räusch­ku­lis­se ver­nehm­bar ist, wis­sen die Jun­gen, dass sie an ih­ren Auf­ga­ben ar­bei­ten müs­sen. Das klappt er­staun­lich gut. Es ist mu­cksmäu­schens­till in der Klas­se. Kein Jun­ge ist ab­ge­lenkt. Wenn Kers­tin Sel­ter dann die Mu­sik aus­schal­tet, wis­sen die Schü­ler, dass ei­ne neue Auf­ga­be folgt. Wor­te sind da nicht not­wen­dig.

Und so neh­men die Un­ter­richtss­tun­den mit Le­seü­bun­gen, dem Ler­nen von Satz­glie­dern und Schleich­dik­ta­ten ih­ren Lauf. Zu­dem gibt es ei­ne Lernt­he­ke, an der sich die Jun­gen be­die­nen kön­nen, wenn sie ih­re Auf­ga­ben er­le­digt ha­ben. Hier gibt es bei­spiels­wei­se Pur­zel­wör­ter wie „roFrsch“. Mit Ver­gnü­gen sor­gen die Jun­gen für Ord­nung im Buch­sta­ben­sa­lat.

Die meis­ten die­ser Schü­ler ha­ben das er­ste Mal in ih­rer Schul­lauf­bahn ech­te Er­folgs­er­leb­nis­se. In der Grund­schul­zeit konn­ten sie im Un­ter­richt oft nicht mit­hal­ten. Das führ­te zu Mut­lo­sig­keit, zu ei­ner Egal­hal­tung und bis­wei­len auch zu Ag­gres­si­vi­tät. In der För­derk­las­se ist das nun an­ders. Stellt Kers­tin Sel­ter ei­ne Fra­ge, ge­hen fast al­le Fin­ger nach oben.

Nun lie­ße sich ein­wen­den, dass die Bil­dung die­ser För­derk­las­se nicht den Zie­len der In­klu­si­on ent­spricht. „Doch“, sagt die IGS. Zum ei­nen näh­men die Jun­gen ja in vie­len Fä­chern am Un­ter­richt im gro­ßen Klas­sen­ver­band teil. Zum an­de­ren sei das aus­drü­ckli­che Ziel der För­derk­las­se nicht das Aus­gren­zen, son­dern das Ein­glie­dern in die Stamm­klas­se. Da­zu be­dür­fe es der in­di­vi­du­el­len För­de­rung in Klein­grup­pen.

Wie Schul­lei­ter Jür­gen San­der er­gänzt, sieht das üb­ri­gens auch der nie­der­säch­si­sche Kul­tus­mi­nis­ter Hen­drik Ton­ne so. In ei­nem Vor­wort an Schu­len er­klär­te er jüngst zum The­ma In­klu­si­on, dass Schul­trä­ger al­ter­na­tiv auch Lerng­rup­pen für Schü­ler mit Be­darf an son­der­pä­da­go­gi­scher Un­ter­stüt­zung ein­rich­ten könn­ten. Die IGS muss das nicht mehr ma­chen. Sie hat be­reits ei­ne Lerng­rup­pe.

Kommentar

von Jürgen Ackmann (Bersenbrücker Kreisblatt)

Gute Idee

Die IGS Fürs­te­nau plant be­reits seit län­ge­rer Zeit ei­nen pä­da­go­gi­schen Tag zum „Um­gang mit her­aus­for­dern­den Ju­gend­li­chen“. Dass die Schu­le mit die­ser vor­beu­gen­den Ini­tia­ti­ve rich­tig­liegt, zei­gen auch Fach­stu­di­en, die be­le­gen, dass es über al­le Schul­for­men hin­weg bei Schü­lern im­mer wie­der zu Gren­zü­ber­schrei­tun­gen kommt – bis hin zur Ge­walt.

Das The­ma ist nicht mehr weg­zu­dis­ku­tie­ren – auch wenn sich vie­le Schu­len aus Ima­ge­grün­den zu­min­dest öf­fent­lich in Schwei­gen hül­len.

Um­so lö­bli­cher ist es, dass sich die IGS des The­mas an­nimmt, sich nicht weg­duckt, son­dern Kon­zep­te er­ar­bei­tet, wie sie Gren­zü­ber­schrei­tun­gen – gleich wel­cher Art – ge­schlos­sen als Schul­ge­mein­schaft mit Re­geln, Kon­ze­quen­zen – al­so mit Hal­tung – be­geg­nen will.

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