Sport

von Jean-Charles Fays (Text) und Gert Westdörp (Fotos, beide Bersenbrücker Kreisblatt)

Akrobatik auf dem Pferd

Als einzige Schule in Deutschland bietet die IGS Fürstenau Voltigieren als Abitur-Fach an. Jana Brügging wird die bundesweit erst dritte Abiturientin sein, die sich auf einem Pferd prüfen lässt.Besuch einer Kür in der letzten Stunde vor den Ferien.

Namen „Fahne“ auf Pferd Mandy. Die „Fahne“ in vollem Galopp wird im kommenden Jahr voraussichtlich auch ein Technik-Element ihrer Abi-Prüfung sein.

Es geht um Kraft, Körperspannung, Beweglichkeit und Koordination. Das allein ist noch nichts Ungewöhnliches für eine Disziplin im Abitur-Prüfungsfach Sport. Wenn es nur auf diese motorischen Fähigkeiten ankäme, wäre Jana Brügging jetzt auch nicht so nervös. Allerdings turnt sie ihre Kür nicht an Ringen, Barren oder Reck, sondern auf einem Pferd. Und damit kommt eine Unbekannte hinzu, die selbst der turniererfahrenen Sportlerin die Schweißperlen auf die Stirn treibt.

Bei der Probe für die Kür patzt sie in einem Technik-Element, das sie „Rolle auf dem Hals“ nennt. Sie macht eine Rolle vorwärts von der Kruppe, also dem Gesäß, zum Sitz. Dabei legt sie zu viel Gewicht auf eine Seite des Rückens und bleibt an dem mit Handgriffen und Fußschlaufen ausgestatteten Voltigiergurt stecken, was dem Pferd natürlich nicht gefällt. „Mandy“ legt die Ohren an und gibt der Artistin so zu verstehen, wie unzufrieden sie mit ihr ist. Die anderen Elemente, die die durchtrainierte 18-Jährige als „Schulterstand, Prinzensitz, Kanone auf dem Hals und Rolle runter“ beschreibt, turnt sie zwar locker durch, doch Jana Brügging hat hohe Ansprüche an sich selbst. Die anderen Schülerinnen wollen lediglich eine gute Note im Grundkurs Sport, sie ist die einzige, die im kommenden Jahr an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Fürstenau die praktische Abi-Prüfung Voltigieren ablegen wird. Und dabei strebt sie nicht irgendeine Note an, sondern die beste: 15 Punkte.

Dafür müssen die Übungen fließend und mit angemessener Körperspannung voll in der Balance geturnt werden. Die Voltigiererin muss in Ausdruck und Ausstrahlung überzeugen. Das sind die festgelegten Anforderungen zur Qualität der Ausführung für eine sehr gute Note. Als die Idee aufkam, Voltigieren als Abitur-Prüfungsfach anzubieten, hatten Lehrer Kontakt zur Bundestrainerin der deutschen Voltigierer, Ursula Ramge, aufgenommen und mit ihr sowie anderen Koryphäen der Branche die Prüfungsanforderungen abgestimmt. Im November 2015 genehmigte das Kultusministerium das Pilotprojekt. Vor zwei Jahren hatte Hanna Lagemann als Deutschlands erste Schülerin die Abitur-Prüfung Voltigieren bestanden. Seither hat es erst eine weitere Voltigier-Abiturientin gegeben. In diesem Jahr hat sich keine gewagt, die Prüfung in der Reitdisziplin abzulegen.

Der Grund dafür sind die hohen Anforderungen. Lehrerin Lena Altmann empfiehlt ihren Schülerinnen (Jungs scheuen das Voltigieren noch): „Ohne Voltigiererfahrung sollte man mindestens ein Dreivierteljahr regelmäßig im Verein trainieren.“ Selbst Finnja Geers, die mit Jana Brügging zusammen im Verein wie auch im Schulsport voltigiert und problemlos ein Rad im Galopp an der Seite des Pferdes turnt, verzichtet auf Voltigieren als Abi-Prüfung. Die Sporttheorie aus Trainings- und Bewegungslehre, Sportsoziologie und -psychologie empfindet sie als „zu anstrengend“. Darin müsste sie sich prüfen lassen, wenn sie Sport als fünftes Abi-Prüfungsfach wählen würde. Neben der praktischen Prüfung in der Einzelsportart Voltigieren müsste sie sich darüber hinaus auch noch in einer Mannschaftssportart prüfen lassen.

Für die Schülerinnen, für die Voltigieren nur eine Sportart unter vielen im Sportkurs ist, fließen neben der finalen Kür noch andere Elemente in die Note ein. Dazu zählt etwa das in dieser letzten Stunde vor den Ferien von Finnja Geers konzipierte Aufwärmtraining. Dabei hat sie einen Schwerpunkt auf den Rhythmus gelegt, denn aus ihrer Turniererfahrung – mit ihrer Vereinsmannschaft wurde sie bereits Kreismeister – weiß sie, dass zur Beurteilung einer Kür auch artistische Aspekte wie etwa die Harmonie mit dem Rhythmus des Pferdes gehören. Zuvor hat sie in einem Handout erläutert, dass die Pferdeschritte bei jeder Übung den Takt für die Voltigiererin vorgeben.

Lehrerin Altmann voltigiert von Kindesbeinen an. Bereits als 16-Jährige hat sie ihren Trainerschein im Voltigieren erworben und seitdem kontinuierlich Lehrgänge gemacht, die sie dazu befähigen, Voltigieren auch im Schulsport zu unterrichten. Am schönsten findet sie, dass der Sport den ganzen Körper kräftigt. Nach dem ersten Voltigier-Training spüre man Muskeln an Stellen, wo man sie niemals vermutet hätte. Sie ärgert, wenn insbesondere Männer es wagen, sich über diese körperlich so anspruchsvolle Sportart lustig zu machen. Die 34-Jährige erinnert sich noch, wie Referendare die Turnübungen auf dem Pferd belächelten: „Als sie dann aber selbst mal einen Liegestütz auf dem Pferd machen sollten, da ist ihnen das Lachen schnell vergangen, denn auf dem Pferd ist das eine ganz andere Herausforderung.“

Eine Bandage an Finnja Geers’ Knöchel zeugt davon, dass bei so einem Sport auch Verletzungen unvermeidlich sind. Beim Vereinssport riss sie sich die Außenbänder an, als sie beim Abgang umgeknickt war.

Jana Brügging hatte hingegen mehr Glück. Sie voltigiert bereits seit zehn Jahren und ist von Bänder- oder Muskelrissen bislang verschont geblieben. Wegen ihrer Passion für diesen Sport will sie unbedingt Deutschlands dritte Voltigier-Abiturientin werden. Weil sie dabei auch noch die Bestnote erzielen will, wurmen sie Fehler wie das bei der Rolle falsch verlagerte Gewicht besonders. Die Anspannung steht ihr ins Gesicht geschrieben. Ihr vormals blasser Teint ist einer rötlichen Gesichtsfarbe gewichen, denn die Rolle bereitet ihr normalerweise nicht so große Mühe. Sie analysiert: „Das Pferd, auf dem wir sonst trainieren, ist gut 20 Zentimeter größer, aber dafür schmaler.“ Auf Quirinus oder Major, den hochbeinigen und groß gewachsenen Sportpferden der Rasse Hannoveraner, auf denen sie in ihrem Heimatverein in Berge trainiert, fühlt sich Jana Brügging wie zu Hause. Die Herausforderung ist die Umstellung. Mandy, das Pferd des Reitvereins Fürstenau, auf dem die Schülerinnen im Unterricht reiten dürfen, ist ein Friesen-Mix – also ein stämmiges Pferd mit breiter Brust und vergleichsweise eher kurzem Rücken.

„Die Kür konnte ich auf Mandy bislang erst drei- oder viermal trainieren. Im Verein haben wir mehr Zeit zur Vorbereitung“, erläutert sie und bittet die Lehrerin darum, noch ein letztes Mal auf Mandy die Rolle proben zu dürfen, bevor es ernst wird und Lena Altmann die Noten verteilt. Die letzte Probe ist zwar noch nicht perfekt, aber immerhin legt Mandy dieses Mal nicht die Ohren an. Die für eine 1 geforderte „fließend und in Balance ausgeführte Bewegungsausführung, die in Ausdruck und Ausstrahlung überzeugt“, scheint in Reichweite. Die 18-Jährige, die nach der zehnten Klasse wegen des Voltigierens an die IGS Fürstenau wechselte, klingt auch schon wieder optimistischer: „Wenn es bei der Generalprobe schief läuft, klappt es im Finale.“

Gesagt, getan: Bei der finalen Kür harmonieren Brügging und Mandy besser. Vom Aufsprung über einen Schulterstand mit senkrecht nach oben gestreckten Beinen bis zur Rolle gelingen die Technik-Elemente. Brügging zeigt sich zufrieden. Später wird ihre Lehrerin sagen, dass es an ein paar Kleinigkeiten in der Bewegungsausführung hapert und nur noch wenige Übungseinheiten bis zur Perfektion fehlen. Somit bekommt die ehrgeizige Schülerin zwar keine 15 Punkte, aber immerhin eine noch sehr gute Note für die Kür.

Darüber hinaus zeigt sie danach bei der sogenannten „Fahne“ in vollem Galopp, dass sie andere Elemente, die Bestandteil der Abi-Prüfung sein können, perfekt beherrscht. Bei der „Fahne“ kniet sie zunächst in der Bank-Position auf dem Pferd. Dabei streckt sie das rechte Bein nach hinten oben aus. Schultern und Becken sind auf einer Höhe, und das Gewicht verteilt sie gleichmäßig auf den beiden Armen und dem linken Unterschenkel. Hinzu kommt, dass Brügging hofft, die Abi-Prüfung auf Quirinus oder Major, den Pferden ihres Berger Vereins, turnen zu können. Sie zeigt sich fest entschlossen: „Nächstes Jahr im Abi schaffe ich die 15 Punkte.“

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